Arbeitsbericht Callcenter
Inspiriert durch die Erfahrungen einiger Mitstreiter und den Artikel von den Kleinstadtgedanklern hier nun auch mein Erfahrungsbericht von der Arbeit in einem Callcenter in Dresden.
Warscheinlich hat wärend der Suche nach einem Job/Ferienjob ect. schoneinmal Dinge gelesen wie: “Flexible Arbeitszeiten, gute Aufstiegschancen, Lohn von 5-7€ die Stunde, freie Zeiteinteilung, Arbeit am Telefon, Kein Verkauf”.
Wenn nicht, dann einfach mal den Jobteil aufschlagen, da gibt es solche Anzeigen zuhauf…
Man ruft also an, einfach aus Neugier was das denn am Ende sein soll und wird auch gleich zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die gegenübersitzende ist freundlich. Sie erzählt von den Großartigen Erungenschaften des Unternehmens das eines der Größten in Deutschland ist und unter Familienleitung steht. Die Aufstiegschancen stehen aufgrund der hierarchischen Gliederung des Unternehmens gut und die besser-gestellten Mitarbeiter erzählen stolz von ihrem Werdegang im Unternehmen.
Das ganze ist in Teams aufgeteilt. Die einen Befragen Telekommunikations-Kunden. Die anderen Verkaufen für Verlagshäuser. Moment! VERKAUFEN? Aber ich dachte…? Ach… ist doch egal.
Die Einführung in das Telefonie-Prozedere erfolgt durch eine kurze Schulung und eine zuhör-Session bei einem Team-Mitglied.
Und schon gehts los, am eigenen (sehr bequemen) Arbeitsplatz. Man hat seinen vorgefertigten Text, den man im Laufe der Zeit für den Kunden etwas bis Stark abändert und sitzt und telefoniert. Klingt doch einfach? Man ruft an, befragt den Gesprächspartner. Zeichnet nach seinem Wissen das Gespräch auf. Man sagt die Daten blieben im beauftragenden Telekommunikations-Unternehmen. Hmmm, aber ich bin doch gar nicht direkt beim Telekommunikations-Unternehmen angestellt, ergo wurden die Daten doch schon weitergegeben, oder?
Hier also das nächste Rechtliche Schlupfloch. Ich bin nämlicht NICHT im Callcenter angestellt, sondern arbeite als Selbstständiger, bzw geringfügig verdienender für den Auftraggeber, zb ebend Verlagshäuser, stehe also mit MEINEM NAMEN für das ein was ich sage und bin INDIREKT beim Verlagshaus beschäftigt. Schlau… aber Grenzwertig. Und mal nebenbei: Wenn der Callcenteranrufer sagt er wäre zb von einem großen Telekommunikationsunternehmen und säße in Bonn, einfach mal nachfragen: “Sicher, Bonn?” “Jaaa, Max Mustermann, Musterfirma, Bonn.” “Ganz sicher?” … und so weiter… so kann man mal testen wie erfahren der gute Mann ist.
Jedenfalls kann man zu 99% davon ausgehen das der Kundenservice-Mitarbeiter nicht da ist wo er angibt zu sein.
Der Tag geht also weiter, die Arbeitsatmosphäre ist gut, besonders bei den viel-arbeitenden Teams, ab und zu kommen motivierende Nachrichten über den Net-Send Dienst. Der Rechner wählt unablässig Nummern, manchmal wird man angefuzt, manchmal wird gleich aufgelegt und seltener erfüllt man tatsächlich seinen Auftrag und hat ein entprechend “Positives Gespräch”.
Und so sitzt man 4 Stunden vor dem Rechner, hat die Schnauze erstmal voll und druckt seinen Arbeitsbericht. Aber was ist das denn nun wieder? 4h Brutto und nur 2,5h Netto-Arbeitszeit? Tja, so schauts aus, denn man bekommt schließlich NUR den Teil der Arbeit bezahlt wenn man auch tatsächlich jemanden am anderen Ende der Leitung hat, was relativ schwierig zu bewerkstelligen sein kann. Dazu gibt es eine kleine provision für jedes “Positive Gespräch”, die aber wenig motivierend ist wenn man evtl pro Stunde nur 2 positive Gespräche hat. Um das mal in Relation zu setzen, das Anwahlsystem macht in der Stunde etwa 100-130 Wählversuche. Übrigens: Der Rechner wählt VOLL automatisch die Kundendaten durch die das Callcenter vom Unternehmen bekommen hat.
Und so steht man jetzt da und wundert sich, denn eigentlich hat man sich das alles etwas anders vorgestellt.
Und jetzt mein Schluss zu dem ich nach wenigen Tagen gekommen bin:
Ich gehe lieber Teller Waschen, Paletten schleppen oder bei Maccens Scheiße braten, als sowas nochmal zu machen.
Die nervliche belastung ist der HORROR. Die Motivation lässt mit jedem (verständlicher weise) angepissten Anrufer nach. Bei KEINEM anderen Job musste ich mich soooo aus dem Bett quälen. Die Erfahrungen die ich während meiner Arbeit dort gesammelt habe bestätigen nur wieder einmal wie vorsichtig man mit Telefongeschäften sein sollte… wenn man freundlich sein will, dann unterhält man sich am besten ein paar Minuten mit dem Caller, denn dann hat er wenigstens ein paar Arbeitsminuten, und wenn man sich 1000%ig sicher sein kann dass man nach ein paar Tagen keine Rechnung im Briefkasten hat kann man zB. sogar bei der Umfrage Xy mitmachen.
Kleiner Tip: einfach den Namen nachfragen, aufschreiben, Anrufnummer aufschreiben, einfach um sicher zu gehen, wenn man eigentlich nix gekauft hat.
Ansonsten… lieber Kellnern gehen, Geld verdienen und glücklich sein :).
(PS: Ich habe bis zur letzten Minute mit mir gerungen den Namen des Unternehmens preis zu geben, selbst wenn ich dafür eine Anzeige in kauf nehmen müsste. Aber wie bei jedem besseren unternehmen hat man eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet. Deswegen lassen wir das einfach mal für heute.)
5 Comments
teenow on Juli 30th, 2009
na hoffentlich klappt das jetzt mit deiner bewerbung ich halt dir daumen dude!
sputnik on Juli 31st, 2009
Keine Frage, so ein Job ist ein echt hartes Brot. Da gibt es bessere Möglichkeiten Geld zu verdienen aber gut das du es mal ausprobiert hast ;-)
Toni on August 28th, 2009
naja du stellst es ziemlich abgefuckt dar - es gibt auch gute tage, an denen ich in 5 std. zb. 90 ocken verdient hab - aber ansonsten haste recht - ne schöne arbeit isses nich und wenn die mich nochmal versuchen bei der monatlichen auszahlung zu bescheissen such ich mir ne andere arbeit - scheiss kapitalisten
Johannes on August 28th, 2009
Durchaus kann es auch gut gehen… aber na ja… so waren halt meine erfahrungen :)



chris on Juli 30th, 2009
word! wegen dem namen wurde ich auch schon oft genug gefragt.